Stehen bald Windräder im Wald?
Eike Kellermann, 05.03.2026, 16:22 Uhr
In Südwestthüringen sollen vor allem Waldflächen genutzt werden für den Ausbau der Windkraft. In den meisten Fällen werden aber die Gemeinderäte das letzte Wort haben.
Mit Spannung wird der neue Regionalplan für Südwestthüringen erwartet. Mit diesem setzt die Regionale Planungsgemeinschaft das „Windenergieflächenbedarfsgesetz“ um: 1,7 Prozent der Fläche müssen für Windkraft zur Verfügung stehen (rund 6800 Hektar), bisher sind es nur 0,15 Prozent. Wenige Wochen vor der entscheidenden Sitzung am 25. März liegt der Entwurf intern vor – das Flächenziel wird erreicht, 98,3 Prozent der Region bleiben frei.
Zwei Drittel im Wald
Ohne Beschluss droht Wildwuchs: Ab 2028 könnten Investoren überall Anträge stellen. Tabuzonen sind u. a. die Unesco-Biosphärenreservate Thüringer Wald und Rhön. Wegen des 1000-Meter-Abstands zur Bebauung war die Flächensuche schwierig – der Ausweg führt in die Wälder. Laut Brodführer sollen fast zwei Drittel (64 Prozent) der Windvorrang-Gebiete im Wald liegen.
Für viele Waldflächen gilt: Die Gemeinde muss per Bauleitplanung zustimmen. „Ob dort jemals ein Windrad gebaut wird, steht auf einem anderen Blatt.“
Brodführer hat mit Bürgerinitiativen gesprochen – in Vachdorf, Schleusingen und Stadtlengsfeld. Das Thema ist emotional und aufgeheizt.
Für Vachdorf ist schon seit 2012 das Windvorrang-Gebiet „W10 - Mittelberg“ (rund 40 Hektar) ausgewiesen. Noch steht keine Anlage, Anträge sind aber gestellt. Bei einer Bürgerbefragung vorigen Herbst haben sich zwei Drittel gegen die Windkraft ausgesprochen – das ist die Richtschnur für den Gemeinderat. Bürgermeister Baumann nimmt die Sorgen (Infraschall, Schattenwurf, Wertverlust) ernst.
Allerdings haben die Vachdorfer keine guten Karten: Das bei ihnen ausgewiesene Vorranggebiet betrifft Freiflächen, nicht Wald – und könnte mit dem neuen Regionalplan sogar noch wachsen. Hier schlägt die Bundesgesetzgebung voll durch zugunsten der Windkraft. Baumann steht dennoch hinter Brodführers Linie: Die Planungsgemeinschaft müsse am 25. März den Beschluss treffen, um die Steuerung nicht zu verlieren.
Über finanzielle Anreize (derzeit 0,2 Cent/kWh an Anrainer-Gemeinden) wird weiter gestritten. Die Regionale Planungsgemeinschaft Südwestthüringen (vier Landkreise, elf Städte) wird den Plan voraussichtlich am 25. März beschließen; danach folgt die zweimonatige Öffentlichkeitsbeteiligung (Mitte Mai bis Mitte Juli).
Quelle: inSüdthüringen – Regionalplan liegt vor: Stehen bald Windräder im Wald?
