Manipulierte Umfrage: Was die Daten wirklich zeigen
Ein kontinuierlicher, monotoner Rückgang über 47 Stunden. Die Umfrage war nicht gegen Mehrfachabstimmung geschützt. Die Redaktion wusste es und veröffentlichte trotzdem.
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Vom 9. bis 14. Juni 2026 hat inSüdthüringen.de eine Online-Umfrage zu den Windvorranggebieten im Landkreis Hildburghausen geschaltet. Fast 9.000 Stimmen, schreibt die Redaktion. Das Ergebnis halte sich "in etwa die Waage". Beides führt in die Irre.
Die Umfrage war nicht gegen Mehrfachabstimmung geschützt, und das Ergebnis wurde manipuliert. Beides lässt sich belegen.
Was ich gemessen habe
Ich habe die Umfrage ab Freitag, 12. Juni 10:00 Uhr bis Sonntag 09:00 Uhr alle zwei Minuten abgefragt und gespeichert. 1.427 Messpunkte über knapp 48 Stunden.
Über diesen gesamten Zeitraum ging der Anteil der Antwort "Jedes Windvorranggebiet ist eines zu viel" kontinuierlich zurück, während die Pro-Antwort "Zusätzlich könnten weitere Gebiete ausgewiesen werden" kontinuierlich stieg. Stunde für Stunde, ohne eine einzige Gegenbewegung:
| Antwort | Stunden aufwärts | Stunden abwärts |
|---|---|---|
| "Mehr Gebiete" (Pro) | 39 | 0 |
| "Kein einziges" (Contra) | 0 | 40 |
Echte Umfragedaten rauschen. Wer gerade online ist, welche Seite gerade teilt, Tageszeit, Wochentag: all das erzeugt Schwankungen, mal hoch, mal runter. Über 47 Stunden kein einziger Richtungswechsel, gleichmäßig, in kleinen Schritten, auch nachts zwischen 2 und 5 Uhr: das gibt es bei menschlichem Abstimmverhalten nicht.
Geografische Mobilisierung, wie sie der Zeitungsartikel als Erklärung anbietet, erzeugt Rauschen. Ein Bot erzeugt eine Gerade. Was ich gemessen habe, ist eine Gerade.
Die Manipulation lief schon vorher
Dass die Verschiebung nicht erst mit meiner Messung begann, lässt sich ebenfalls belegen. Am Dienstag, 9. Juni um 19:18 Uhr, kurz nach Start der Umfrage, lag die Contra-Antwort bei 68,2 Prozent, die Pro-Antwort bei 5,8 Prozent. Am Mittwochmorgen, 10. Juni um 07:30 Uhr, stand Contra bereits bei 49,5 Prozent, Pro bei 24,4 Prozent. Beides ist durch Screenshots mit sichtbarer Uhrzeit dokumentiert.
Die Drift war also schon Tage vor meiner systematischen Messung im Gange. Mein Messzeitraum ab Freitag erfasst die späte Phase dieser Entwicklung, sauber dokumentiert und lückenlos.
Was ich getan habe
Ich habe geprüft, ob die Umfrage technisch gegen Manipulation geschützt ist. Kein Cookie-Tracking, kein IP-Limit, keine funktionierende CAPTCHA-Validierung. Jede Anfrage zählt als neue Stimme.
Um die Redaktion auf genau diese Schwachstelle hinzuweisen, habe ich am Freitag einen kontrollierten Test durchgeführt und rund 1.100 Stimmen für "Kein einziges Windrad" eingespielt. Noch vor Veröffentlichung des Artikels habe ich die Redaktion schriftlich informiert, diesen Test vollständig offengelegt und gefordert:
- meine Teststimmen aus den Rohdaten zu entfernen
- den gesamten Datensatz auf unnatürliche Muster zu prüfen
- das Ergebnis nicht ohne klaren Hinweis auf die Manipulationsanfälligkeit zu veröffentlichen
Die Redaktion hat den Artikel trotzdem veröffentlicht. Ohne jeden Vorbehalt.
Was der Artikel daraus macht
Der Artikel vom 14. Juni titelt mit "überwältigender Beteiligung" und stellt fest, Befürworter und Gegner hielten sich "in etwa die Waage". Diese vermeintliche Pattsituation ist das Produkt einer manipulierbaren und nachweislich manipulierten Umfrage, nicht des Bürgerwillens.
Der Kreistag Hildburghausen hat sich gegen die Windkraftpläne gestellt. Bei Bürgerversammlungen und in Gemeinderäten der Region überwiegt die Ablehnung deutlich. Ein Kopf-an-Kopf-Rennen, wie die veröffentlichte Umfrage es suggeriert, passt zu keinem dieser Befunde.
Die Zeitung berichtet über ein Ergebnis, von dessen Manipulationsanfälligkeit sie vorab wusste. Den Hinweis darauf lässt sie weg.
Forderung
Die Redaktion von inSüdthüringen.de wurde vor Veröffentlichung informiert. Sie hat die Information ignoriert und einen Artikel veröffentlicht, der ein nachweislich manipuliertes Ergebnis als Meinungsäußerung der Bevölkerung darstellt.
Ich fordere eine öffentliche Richtigstellung des Artikels mit Darstellung der Manipulationsbefunde und einen klaren Hinweis darauf, dass die Umfrage nicht gegen Mehrfachabstimmung geschützt war.
Sollte eine Richtigstellung ausbleiben, wird der Vorgang mit allen Belegen dem Deutschen Presserat vorgelegt. Sorgfaltspflicht bei der Wiedergabe von Daten ist im Pressekodex geregelt.
Die vollständigen Rohdaten (1.427 Messpunkte, CSV), die Screenshots vom 9. und 10. Juni und die Stundenauswertung stehen zur Prüfung bereit.
Peter Meier, Vachdorf, 14. Juni 2026

Rohdaten zur Prüfung
Die vollständigen Messdaten der Umfrage, 1.427 Messpunkte alle zwei Minuten vom 12. bis 14. Juni 2026. Jede Zeile enthält Zeitstempel und Prozentwerte aller fünf Antwortoptionen. Damit lässt sich der monotone Verlauf unabhängig nachprüfen.

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