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Übergabe in Suhl: 10.800 Stellungnahmen gegen den Regionalplan

Rund 80 Vertreter von Bürgerinitiativen übergaben kistenweise Einwendungen beim Landesverwaltungsamt. Die Behörde wollte die Stückzahl erst nicht bestätigen. Eine Zusammenschau aus Presse, MDR und O-Tönen der Übergabe

Freitagvormittag, 17. Juli, Karl-Liebknecht-Straße in Suhl. Rund 80 Vertreter von Bürgerinitiativen aus ganz Südwestthüringen tragen Kisten voller Stellungnahmen vor das Landesverwaltungsamt. Nach Zählung der Initiativen: 10.800 Stück. Dazu kommen laut inSüdthüringen Hunderte Schreiben, die bereits auf dem Postweg eingegangen sind. Am Montag darauf, dem 20. Juli, endet die öffentliche Auslegung des zweiten Entwurfs zum Regionalplan.

Die Übergabe bildete den Abschluss der Stillen Demo. inSüdthüringen beschreibt Jutta Beinersdorf von der BI Vachdorf als die Organisatorin, die den Tag über Wochen vorbereitet habe. Bevor die Kisten ins Haus getragen wurden, gab es drei Redebeiträge.

Die Redebeiträge vor dem Amt

Jutta Beinersdorf (BI Vachdorf) blickte in ihrer Ansprache auf die vergangenen Wochen zurück: „Das, was wir in den letzten Wochen erlebt haben, ist für uns alle eine Riesenüberraschung. Wir können alle stolz auf uns sein.“ Am 25. März hatte die Planungsversammlung den zweiten Entwurf beschlossen. Am 18. Mai begann die Auslegung, die Zeitungen druckten die Karten der Vorranggebiete. „Von diesem Tag an ist eine Welle durch ganz Südwestthüringen gegangen. Es haben sich schlagartig Bürgerinitiativen gebildet.“ Viele ältere Leute hätten ihre Einwände handschriftlich verfasst, sachlich und mit wertvoller Ortskenntnis. Und noch etwas sei in diesen Wochen entstanden: ein Bündnis der Bürgerinitiativen in Südwestthüringen. „Das gab es überhaupt noch nicht.“

Andreas Chmielewski (Schleusingen) erinnerte daran, wie klein der Anfang war: Als er im April 2019 anfing, stand bei Aktionen eine Handvoll Leute aus drei Initiativen zusammen. Bei der Übergabe waren es 80 Menschen aus Initiativen quer durch die Region. „Es ist ein Flächenbrand. Wir sind nicht einzeln, wir sind viele.“ Für das neue Bündnis skizzierte er die Grundsätze: Jede Initiative bleibt eigenständig und entscheidet selbst über ihre Aktionen, größere Veranstaltungen sollen gemeinsam gestemmt werden. Als nächsten Schritt kündigte er eine Vorführung des Films „Die Waldbürger“ an. Sein Schlusswort: „Weniger schreiben, mehr machen.“

Ein Vertreter von Heimatstärke e.V. aus Suhl berichtete von offiziellen Anfragen seines Vereins und eines Stadtratsmitglieds: Wie viele Einwendungen sind vor der Übergabe schon eingegangen? Die Auskunft der Behörde: Die Zahl könne nicht genannt werden, es werde schlicht nicht gezählt. Warum das mehr ist als eine Randnotiz, zeigte sich noch am selben Vormittag.

Erst keine Quittung, dann die Kehrtwende

So war es vereinbart. Peter Möhring, Leiter der Regionalen Planungsstelle, holt die Gruppe ab, zwei Vertreter der Initiativen begleiten die Kisten in die Poststelle, dazu zwei Mitarbeiter der Planungsgemeinschaft. Vier Augenpaare beim Auszählen, so der Ablauf, wie er bei der Übergabe angekündigt wurde.

So kam es. Die Behörde verweigerte zunächst die Bestätigung der Stückzahl, obwohl das laut inSüdthüringen vorab anders vereinbart war. Möhrings Begründung dem Blatt zufolge: Nur ein Teil der Abgaben habe aus „leicht zählbaren Stapeln“ mit Übersichtslisten bestanden, deshalb keine Quittierung.

Das Muster ist bekannt. Schon die Anfragen von Heimatstärke zur Zahl der Einwendungen liefen ins Leere. Und erst im Juni hat das Landesverwaltungsamt unseren Antrag auf die Vektordaten der Vorranggebiete förmlich abgelehnt: Behörden und Vorhabenträger bekommen sie, betroffene Bürger nicht.

Gegen Mittag dann die Kehrtwende: Die Zahl der persönlich abgegebenen Stellungnahmen soll nun doch veröffentlicht werden, im Laufe der kommenden Woche. Man darf gespannt sein, wie weit sie von den 10.800 entfernt liegt.

Stimmen vom Tag

Isabell Bieber aus Wolfmannshausen, betroffen vom Gebiet W-31, nannte das Verfahren gegenüber inSüdthüringen „Beschäftigungstherapie für Bürger“ und kritisierte, dass über die Pläne an keiner Stelle öffentlich abgestimmt wurde. Eine 54-Jährige aus Oberstadt sagte der Zeitung:

„Das einzige, was wir noch haben, ist unsere Natur. Und die wollen sie uns nun auch noch nehmen.“

Im Videobericht zur Übergabe kommt eine Anwohnerin aus dem Werratal zu Wort. Ihr Ort liegt in der Tallage, knapp einen Kilometer vom Vorranggebiet entfernt, das vom einstigen W10 zum heutigen, deutlich größeren W-23 angewachsen ist. Sie fürchtet den Schattenwurf über den Häusern und im Winter gesperrte Wanderwege wegen Eiswurfs. Gegen erneuerbare Energie sei sie nicht: „Wir wollen gerne mit der erneuerbaren Energie leben, dort, wo es vernünftig ist.“

Wie es jetzt weitergeht

Die abgegebenen Stellungnahmen werden eingescannt und der Regionalen Planungsgemeinschaft vorgelegt. Das MDR Thüringen Journal hat der Übergabe einen erfreulich sachlichen Beitrag gewidmet, beide Seiten kommen zu Wort. Aufhorchen lässt der Schlusssatz: Geprüft werde unter der Prämisse, dass Thüringen bis 2040 seinen Energiebedarf vollständig aus landeseigenen erneuerbaren Quellen decken will. Wer so prüft, prüft nicht ergebnisoffen. Dem gegenüber steht die Arbeit, die in diesem Sommer geleistet wurde: mehr als 10.000 Stellungnahmen aus einer strukturschwachen Region, viele individuell begründet, etliche handschriftlich. Wer das einreicht, hat eine echte Abwägung verdient, keine Beschäftigungstherapie.

Stichtag der öffentlichen Auslegung: Montag, 20. Juli 2026. Alle bis dahin eingegangenen Stellungnahmen muss die Planungsgemeinschaft prüfen und abwägen, bevor der Regionalplan beschlossen werden kann. Auf unserer Regionalplan-Seite bleiben alle Vorranggebiete mit Karte und Steckbriefen dokumentiert, dort halten wir auch fest, wie es im Verfahren weitergeht.


Quellen und Berichterstattung:

YouTube-Video-ID fehlt.

Eindrücke von der Stillen Demo und der Übergabe der Stellungnahmen am 17.07.2026 in Suhl

Bilder von der Übergabe in Suhl

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